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Stellungnahme zu den in VAUDE-Produkten gefundenen Substanzen

Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace kritisiert in ihrem aktuellen Report „Chemie für jedes Wetter“ gefährliche Substanzen im Produktionsprozess von Outdoor-Produkten.

Wir begrüßen diese Greenpeace-Kampagne ausdrücklich, weil sie öffentliche Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Thema lenkt. Wir erhoffen uns davon eine Bündelung der Branchen-Kräfte und eine Beschleunigung der technologischen Innovationen, die uns als mittelständischem Familienunternehmen in diesem Bereich allein bislang nicht gelungen sind.

Ergänzend zu unserer bereits vorliegenden Stellungnahme und FAQ von Ende Oktober möchten wir hier nun im Detail auf die in den getesteten VAUDE-Produkten gefundenen Substanzen eingehen.

Welche Produkte wurden getestet ?

Greenpeace hat folgende Produkte getestet:

  • Kids Escape Jacket
  • Womens Bike Escape Jacket III

Sowohl die Kids Escape als auch die Womens Bike Escape enthalten eine Ceplex-Membran aus Polyurethan (PU), die 100% frei von PFC ist.

Beide Artikel sind mit der sogenannten C8-DWR-Technologie ausgerüstet, damit Regen, Schmutz und Öl von ihrer Oberfläche abperlen. „DWR“ steht für „Durable Water Repellency“. Ohne diesen Abperl-Effekt saugt sich die textile Oberfläche beispielsweise mit Regenwasser voll, was für den Benutzer zu einem klammen, feuchten Gefühl beim Tragen führt.

Sind diese VAUDE-Produkte gesundheitsschädlich ?

Nein. Von den VAUDE-Produkten geht kein gesundheitliches Risiko aus. Die gefundenen Substanz-Konzentrationen sind sehr gering. Details zur Bewertung der einzelnen Messergebnisse siehe weiter unten.

Die Jacken können bedenkenlos getragen werden.

Um welche Substanzen geht es überhaupt ?

Greenpeace hat die Produkte auf verschiedene Substanzen getestet, wobei der Fokus der gesamten Studie auf Poly- und Perfluorierten Chemikalien (PFC) liegt.

Hierbei geht es insbesondere um

  • PFOS (Perfluoroktansulfonat)
  • PFOA (Perfluoroktansäure)
  • FTOH (Fluortelomeralkohole)

Was wurde konkret gefunden und wie sind die Ergebnisse zu bewerten ?

  1. PFOS

PFOS wurde in keinem der VAUDE-Artikel nachgewiesen.

  1. PFOA

PFOA ist ein Abbauprodukt, das bei der Herstellung von längerkettigen perfluorierten Chemikalien entstehen kann. Es kann als Spurenverunreinigung in DWR-Ausrüstungen wiedergefunden werden, die auf der sogenannten C8-Technologie basieren. PFOA wird nicht absichtlich eingesetzt.

PFOA unterliegt derzeit keinerlei gesetzlichen Regelung. Es gibt keine Grenzwerte für PFOA im fertigen Produkt. Greenpeace fordert daher völlig zu Recht, dass PFOA in die Europäische Chemikalien-Gesetzgebung REACh aufgenommen wird.

Der bluesign-Standard hat die Verwendung von PFOA komplett verboten. Er schreibt einen Grenzwert für evtl. entstehende Rückstände oder Spuren vor in Höhe von 0,05 mg/kg (Milligramm pro Kilogramm Textil). bluesign ist der weltweit strengste textile Standard für Umweltschutz, Verbraucherschutz und Arbeitssicherheit. VAUDE arbeitet seit 2001 mit bluesign zusammen.

In der VAUDE Kids Escape Jacket wurden PFOA-Spuren in Höhe von 0,576 µg/m2 (Mikrogramm = 1 Tausendstel Milligramm = 1 Millionstel Gramm pro Quadratmeter Textil) gefunden. Das entspricht 0,0048 mg/kg.*

In der VAUDE Womens Bike Escape wurden noch erheblich geringere PFOA-Spuren gefunden.

Damit liegen die PFOA-Spuren, die in der Kids Escape Jacket und in der Womens Bike Escape gefunden wurden, deutlich unterhalb der von bluesign vorgegebenen Grenze.

Greenpeace schreibt dazu in seinem Report:

„Die geringsten Konzentrationen an PFOA wurden in den Jacken von […], Vaude Women […] gefunden.“ (GP Report Seite 13).

 

FTOH

Fluortelomeralkohole (FTOHs) werden u.a. zur Herstellung von perfluorierten Ausrüstungen eingesetzt. Sie können als Spurenverunreinigungen im fertigen Produkt auftreten.  

FTOHs unterliegen keinen gesetzlichen Grenzwerten. bluesign gibt als Grenzwert für die Summe aller verschiedenen FTOH-Substanzen im fertigen Produkt 50 mg/kg Textil vor.

In der VAUDE Kids Escape Jacket wurden 418,5 µg/mgefunden, was 3,51 mg/kg entspricht. In der Womens Escape Bike wurden 36,4 µg/m entsprechend 0,3 mg/kg gefunden.

Damit liegen beide VAUDE-Produkte weit unterhalb der bluesign-Grenzwerte.

Welche weiteren Substanzen werden von Greenpeace kritisch bewertet ?

  1. NPE (Nonylphenol Ethoxylate)

NPE werden u.a. als Waschmittel während des frühen textilen Produktionsprozesses, z.B. bei der Herstellung von Fasern oder beim Waschen von Roh-Naturfasern wie Wolle eingesetzt.

Ein Verbot von NPE in textilen Artikeln existiert in der EU nicht (anders als von Greenpeace angegeben). Der bluesign Standard definiert ein Verwendungsverbot von NPE bei der Textilherstellung. Sie lassen sich oft jedoch bereits als Rückstände aus vorgelagerten Produktionsstufen im Garn nachweisen.

In der Kids Escape Jacket wurden Spuren von NPE gefunden, wobei Greenpeace verschiedene Maßeinheiten für diesen Wert nennt und wir daher das Testergebnis momentan nicht abschließend bewerten können. VAUDE geht jedoch bereits gemeinsam mit bluesign der Quelle dieser Spurenverunreinigung nach.

In der Womens Bike Escape wurde kein NPE nachgewiesen. 

  1. Phthalate (Weichmacher)

Phthalate werden als Weichmacher z.B. für PVC eingesetzt. Einige Phthalate sind unter der EU-Chemikalien-Verordnung REACh geregelt (Grenzwert 0,1 % oder 1000 mg/kg).

Im bluesign-Standard ist der Einsatz von Phthalaten verboten. Für Rückstände oder Spuren, die unbeabsichtigt als Verunreinigungen im Produkt vorkommen können, gilt bei bluesign ein Grenzwert von 50 mg/kg. Greenpeace gibt unterschiedliche Maßeinheiten der Testergebnisse für Phthalate an (teilweise mg/kg, teilweise µg/m2), weshalb eine genaue Bewertung der Ergebnisse nicht möglich ist.

Selbst wenn wir den höheren Wert der Rückstände zugrunde legen, liegen die VAUDE-Produkte bei Phthalaten deutlich unter den bluesign-Grenzwerten (Kids Escape 3 mg/kg, Womens Bike Escape 10 mg/kg).

  1. Antimon

Antimonoxid und andere Antimonverbindungen (nicht jedoch metallisches Antimon) werden zur Herstellung von Polyester benötigt. Greenpeace vergleicht die Giftigkeit von Antimon mit Arsen, was irreführend ist, da metallisches Antimon hier nicht vorliegt, sondern lediglich als Messparameter herangezogen wird.

Das Umweltzeichen „EU-Blume“ definiert für Antimon einen Grenzwert von 260 mg/kg Textil (Gesamtgehalt). Dieser Wert, der sich an der technischen Machbarkeit orientiert, wurde von bluesign als Grenzwert übernommen. Die EU-Blume ist ein freiwilliger Standard;  einen gesetzlichen Grenzwert gibt es nicht.

In der Kids Escape Jacket wurden 30 mg/kg, in der Womens Bike Escape Jacket 10 mg/kg Antimon gefunden.

Beide VAUDE-Produkte liegen mit diesen für handelsübliches Polyester recht niedrigen Werten weit unter den Grenzwerten von bluesign und der EU-Blume.

  1. Organozinn

Zinnorganische Verbindungen werden u.a. als Katalysatoren eingesetzt.

Eine Bewertung der von Greenpeace in ihrem Report angegebenen Werte ist momentan nicht möglich, da Greenpeace unterschiedliche Maßeinheiten angibt (µg/m2, kg/mg, mg/kg). Wir befinden uns derzeit in der Klärung der Fakten mit Greenpeace und haben auch eigene Tests beauftragt, deren Ergebnisse wir in den nächsten Tagen erwarten.

Sollte es sich um Angaben in mg/kg handeln, wären die Grenzwerte des bluesign Standards überschritten. Dies hätte zur Folge hätte, dass wir der Ursache für diese Verunreinigung in unser Lieferkette umgehend nachgehen würden.

Ein gesetzlich vorgeschriebener Grenzwert für zinnorganische Verbindungen wird nach unserem Wissen nicht überschritten.

  1. Isocyanate

Polymere, wie zum Beispiel Polyurethane (PU), aus dem die VAUDE Ceplex-Membran besteht, spalten bei höheren Temperatuten in Isocyanate. Diese Verbindungsgruppe ist bei bluesign streng geregelt.

Greenpeace gibt als Analyse-Methode das GC/MS-Verfahren an. Da hierbei Temperaturen von über 200 °C vorliegen, ist eine Rückspaltung in Isocyanate wahrscheinlich. Damit wäre das Ergebnis ein sogenanntes „falsch positives Ergebnis“.

Eine abschließende Beurteilung dieser Messwerte ist daher derzeit nicht möglich. Auch hier befinden wir uns aktuell in der Klärung mit Greenpeace.

Veranschaulichung der weiteren getesteten Substanzen

 

Um die gemessenen Konzentrationen in den beiden VAUDE-Produkten in Relation zum strengsten geltenden Grenzwert (bluesign) zu setzen, haben wir folgende grafische Darstellung erstellt. Daraus ergibt sich deutlich, dass die Substanzen nur in Spuren nachgewiesen wurden.

Von den VAUDE-Produkten geht keinerlei Gesundheitsgefahr aus.

* Umrechnung µg/m2 in mg/kg auf Basis des Flächengewichtes des verwendeten Materials. Beide hier getesteten VAUDE-Produkte verwenden das gleiche Material. Flächengewicht = 119 g/m2. Formelbeispiel: 

100 μg/m2 ÷ 1000 = 0,1 mg/m2

0,1 mg/m2 ÷ 119 g/m2 = 0,00084 * 1000 = 0,84 mg/kg

 

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