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(05.02.2015) PFC in Outdoor-Produkten – eine Balance zwischen Funktion und Ökologie

(05.02.2015)
Wozu werden PFC bei Outdoor-Produkten eingesetzt?

Outdoor-Produkte sind insbesondere wegen ihrer wasser- und schmutzabweisenden Funktionalität so beliebt. Diese Funktionalität wird mit Hilfe chemischer Substanzen erreicht: Sie werden bei der Herstellung des textilen Materials auf die Oberfläche aufgebracht und sorgen dafür, dass Wasser und Schmutz von den Produkten abperlen. Durch diese sogenannte Durable Water Repellency (DWR) werden textile Oberflächen dauerhaft imprägniert. Ohne diese Behandlung würde sich der Oberstoff schneller mit Regenwasser vollsaugen, was für die Benutzer trotz wasserdichter Membran zu einem klammen, feuchten Gefühl beim Tragen führen kann. Bisher wurden in der Outdoor-Branche hauptsächlich poly- und perfluorierte Chemikalien (PFC oder auch Fluorcarbone) als DWR eingesetzt.

Wie schädlich sind PFC?

PFC sind seit langem als kritisches Thema bei Outdoor-Produkten bekannt. Die am stärksten kritisierte Substanz unter den PFC heißt PFOA (Perfluoroctansäure). Dieser Stoff kommt in der Natur nicht vor, wurde aber selbst in der Antarktis bereits nachgewiesen. Diese Substanz ist giftig, reichert sich im Körper an, ohne sich wieder abzubauen und steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Wie verbreitet sind PFC?

PFC werden bei der Herstellung zahlreicher Produkte unseres alltäglichen Lebens eingesetzt, u. a. in Antihaft-Bratpfannen, Teppichen, bei Feuerlöschschaum, aber auch in Arbeitsschutzkleidung im medizinischen Bereich. Die gesamte Outdoor-Branche verursacht dabei nur einen Bruchteil der weltweit freigesetzten PFC.

VAUDE steigt bis 2020 komplett aus PFC aus – was haben wir bisher erreicht?

VAUDE befasst sich schon seit vielen Jahren aktiv mit der Vermeidung von PFC und sucht mit Hochdruck nach Alternativen. Dieses Thema hat bei VAUDE höchste Priorität, ist Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie und wird von Experten begleitet.

VAUDE hat sich freiwillig verpflichtet, sämtliche Produkte aus allen Bereichen bis spätestens 2020 vollständig PFC-frei herzustellen. Als bluesign® Systempartner gilt für VAUDE Produkte schon seit über zehn Jahren die bluesign® Restricted Substance List, die auch die Verwendung von PFC stark reguliert und strenge Grenzwerte für Produkte vorgibt. Wir arbeiten intensiv, in enger Abstimmung mit unseren Lieferanten und den Herstellern der Textilchemikalien, an umweltfreundlichen PFC-freien Alternativen. So haben wir bereits wichtige Erfolge erzielt:

  • Seit 2010 setzt VAUDE ausschließlich PTFE-freie Membranen ein, für deren Herstellung kein PFC benötigt wird. Mit der Sympatex®-Membran aus Polyetheresther (PE) und der hauseigenen Ceplex-Membran aus Polyurethan (PU) bietet VAUDE PTFE-freie Alternativen mit hervorragender Funktionalität.
  • Seit 2014 ist die VAUDE Bekleidung komplett PFOA-frei.
  • Ab der Sommerkollektion 2015 (ab Frühjahr 2015 im Handel erhältlich) werden alle wasserabweisenden Bekleidungsmodelle PFC-frei sein. Diese sind mit dem Eco-Finish-Symbol gekennzeichnet.

Ab der Kollektion Winter 2015/16 sind PFC-haltige Produkte von der VAUDE Green Shape Garantie ausgeschlossen, deren Anforderungen insgesamt verschärft wurden.

Die Anteile der PFC-freien Produkte in den Bekleidungskollektionen der jeweiligen Saison:

Welche Schwierigkeiten gibt es - wie geht es weiter?

Wir stellen auch die DWR-Ausrüstungen unserer wasserdichten Bekleidung Schritt für Schritt auf PFC-frei um. VAUDE unternimmt seit Jahren große Anstrengungen, um auch in diesem Bereich alle Modelle so schnell wie möglich PFC-frei anzubieten. Die große Herausforderung ist dabei, die richtige Balance zwischen Funktion und Ökologie zu finden. Das ist zuweilen ein großer Spagat. Als Outdoor-Hersteller sind wir unseren Kunden gegenüber verpflichtet, den VAUDE Qualitätsanspruch zu bieten. Auch PFC-freie, wasserdichte Bekleidung muss diesen Ansprüchen an die Funktionalität gerecht werden. Konkret heißt das: Wenn wir eine wasserdichte Jacke verkaufen, sollte das Wasser abperlen - der Oberstoff darf sich nicht vollsaugen. Das erwarten unsere Kunden als Selbstverständlichkeit – auch von einem umweltfreundlichen Produkt. Eine höhere Qualität bedeutet gleichzeitig eine längere Nutzungsdauer der Produkte, somit weniger Bedarf an neuen Produkten und so eine insgesamt höhere Nachhaltigkeit.

Ein Blick hinter die Kulissen: Mit hohem finanziellem und personellem Aufwand engagieren wir uns seit Jahren für die Entwicklung PFC-freier Ausrüstung für wasserdichte Bekleidung. Seit Jahren testet VAUDE alle am Markt erhältlichen PFC-freien Ausrüstungen für wasserdichte Bekleidung auf ihren Abperl-Effekt. Wir arbeiten dabei sehr eng mit den Material-Herstellern zusammen. Voraussetzung für die Einführung einer  neuen Technologie ist zunächst eine aufwändige Prozessumstellung bei allen beteiligten Partnern in unserer Lieferkette, die wir eng begleiten und vorantreiben: sowohl bei den Herstellern der Ausrüstungs-Chemikalien als auch bei den Stoffherstellern, den Textilausrüstern und den Produzenten. Dadurch gewinnt die Entwicklungsarbeit an Fahrt. Wir haben bereits eine hohe Prozesssicherheit in der Anwendung dieser neuen Technologie und gute Erfolge erzielt. Trotzdem müssen wir auch immer wieder Rückschläge verkraften. Für die kommende Saison hatten wir bereits ein Drittel der wasserdichten Kollektion mit einer neuen PFC-freien Ausrüstung, die während der Entwicklungsphase sämtliche Test bestand, eingeplant. Die fertig produzierten Muster fielen dann jedoch im Test durch: Der Oberstoff saugte das Wasser auf (siehe rechtes Bild unten).

Für unsere wasserdichte Bekleidung verwenden wir daher momentan in den meisten Fällen noch eine PFC-haltige (C6) DWR, die allerdings PFOA-frei ist. Wir nutzen die C6-DWR ausschließlich als Zwischenschritt („Brückentechnologie“) zum kompletten Ausstieg aus PFC.

Folgendes Beispiel zeigt eine PFC-freie Alternative, die im Test keine zufriedenstellende wasserabweisende Funktion zeigte:

Wichtig ist, dass jeder Kunde mit Hilfe kompetenter Beratung das richtige Produkt mit der angemessenen Funktionalität für seinen jeweiligen Einsatzzweck auswählt. Entscheidend für den Erhalt der Funktionalität ist die richtige Pflege der Produkte – darüber sollte er beim Kauf informiert werden. Um den Fachhandel hierbei zu unterstützen, bietet VAUDE Schulungsunterlagen, die über das Thema PFC wie auch über die optimale Pflege und umweltfreundliche Nachimprägnierung informieren.

Auf Branchen-Ebene erfolgreich gegen PFC

VAUDE hat sich mit großem Engagement dafür eingesetzt, dass auch andere Outdoor- und Sport-Hersteller das Thema aufgreifen. Denn als einzelne Outdoor-Marke wäre unser Einfluss auf die Chemie-Industrie gering. Mittlerweile ist das Bewusstsein in der Outdoor-Branche stark gewachsen – viele Outdoor-Marken ziehen an einem Strang. Gemeinsam haben wir, mit Unterstützung der Branchenverbände BSI und EOG, neue Anforderungen an die Chemie-Industrie gestellt. Es ist uns gelungen, die Material-Hersteller davon zu überzeugen, die Entwicklung umweltfreundlicher Alternativen zu PFC voranzutreiben. Damit sind wir auf Branchenebene einen Riesenschritt vorangekommen – die ganze Wertschöpfungskette arbeitet nun an dieser Problematik zusammen. So haben wir den Weg für eine übergreifende Entwicklung weiterer, neuer PFC-freier Materialien bereitet. Diese laufen derzeit auf Hochtouren, erfordern aber, wie alle Innovationen, eine gewisse Entwicklungszeit, ein großes Know-how und viel Erfahrung. Weitere Fortschritte erwarten wir zur ISPO 2015: Die Chemie-Lieferanten haben angekündigt, dort die nächste Generation PFC-freier DWR-Ausrüstungen vorzustellen. Sowohl wir bei VAUDE als auch unsere Zulieferer verfolgen diese Entwicklungen sehr genau und stehen in den Startlöchern, diese neuen Technologien so schnell wie möglich in die Praxis umzusetzen.

Auch die „Detox-Kampagne“ von Greenpeace hat dazu beigetragen, das PFC-Thema in der Öffentlichkeit zu fokussieren, den Druck auf die Industrie zu erhöhen und damit die Entwicklung mit anzutreiben.

Neben sicheren und umweltfreundlichen Produkten setzt sich VAUDE für eine Vielzahl von anderen Nachhaltigkeitsthemen ein, etwa die Klimaneutralität des gesamten Unternehmens oder faire Sozialstandards in der Produktion als Mitglied der Fair Wear Foundation. Wir berichten darüber transparent und selbstkritisch in unserem Nachhaltigkeitsbericht (GRI 4 Standard):

www.vaude.com/Verantwortung/Nachhaltigkeitsbericht

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